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Neuigkeiten der Stadtteilschule Walddörfer


Frau Lenze stellt sich vor

PEPERONI Ausgabe 22, 07/2026

PEPERONI Interview mit unserer neuen Schulleiterin

1. Können Sie sich einmal vorstellen?

Ich heiße Maria Teresa Guerreiro Salgueiro Lenze. Wie mein Name schon verrät, habe ich einen portugiesischen Hintergrund. Meine Eltern sind in den 60er-Jahren aus Portugal nach Deutschland gezogen, wo ich 1970 geboren wurde. Nach meinem Studium und Referendariat in NRW bin ich der Liebe wegen nach Hamburg gegangen und habe dort am Gymnasium Hochrad Deutsch, Englisch und Portugiesisch unterrichtet.

Acht Jahre später ist mein Mann mir dann nach Brasilien gefolgt, wo auch unser zweiter Sohn geboren wurde. In São Paulo war ich zunächst Lehrerin an der Humboldt Schule und später Stellvertretende Schulleiterin am Colégio Visconde de Porto Seguro.

2. Ist Schulleiterin eine ganz neue Aufgabe für Sie?

Nein. Ich war Schulleiterin am Studienkolleg Hamburg und leite nun seit acht Jahren die Deutsche Schule Lissabon in Portugal. Ganz neu ist diese Aufgabe also nicht für mich, aber jede Schule ist anders. Deshalb beginnt man als Schulleiterin immer wieder neu: Man muss gut zuhören, die Menschen kennenlernen und verstehen, was die jeweilige Schule besonders macht.

3. Wie kommt es, dass Sie jetzt in Deutschland arbeiten?

Acht Jahre sind die Höchstdauer, für die man als Schulleiterin im Auslandsschuldienst beurlaubt werden kann. Nun wollte Hamburg mich wieder zurück.

4. Was bedeutet Heimat für Sie?

Das ist eine sehr gute Frage. Aufgrund meines Hintergrunds hatte ich als junger Mensch immer das Gefühl, zwei „Heimaten“ zu haben. Aber auch in Brasilien habe ich mich sehr zu Hause gefühlt. Heute denke ich, dass wir eigentlich alle Weltbürgerinnen und Weltbürger sind und man den Begriff Heimat nicht zu eng denken sollte. Heimat ist für mich vielmehr der Ort, an dem ich mich willkommen fühle und das Gefühl habe, dazuzugehören.

5. Spielt Heimat in der Schule eine Rolle für Sie?

Ja, sehr. Wenn Heimat bedeutet, dass es ein Ort ist, an dem ich mich angenommen und respektiert fühle, dann sollte Schule auch Heimat sein. Schule ist schließlich ein Ort, an dem man wichtige Phasen seines Lebens verbringt, Freunde findet und Wichtiges lernt. Dafür braucht es ein sicheres und freundliches Umfeld. Es wäre also sehr wünschenswert, dass man sich an einem so wichtigen Ort auch zu Hause fühlt.

Das gilt im Übrigen für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für alle, die täglich mit ihnen in Kontakt stehen. Ich selbst würde mich sehr freuen, wenn sich die Stadtteilschule Walddörfer für mich bald auch wie Heimat anfühlt — gerade auch deshalb, weil ich für ein Jahr meinen „Wohlfühl-Ort Familie“ in Lissabon zurücklassen muss, da mein jüngster Sohn an der Deutschen Schule Lissabon sein letztes Schuljahr abschließt.

6. Was ist Ihnen als Schulleiterin besonders wichtig?

Mir ist besonders wichtig, dass Schule ein Ort ist, an dem alle gerne lernen und arbeiten. Das klingt vielleicht einfach, ist aber eine große Aufgabe. Dazu gehören gegenseitiger Respekt, Vertrauen, klare Regeln und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Eine gute Schule entsteht nicht durch eine einzelne Person, sondern durch eine starke Gemeinschaft.

7. Was hat Ihnen besonders an der portugiesischen Schule gefallen?

An der Deutschen Schule Lissabon hat mir besonders gefallen, dass ich dort mit meinem Team sehr viel gestalten konnte. Wir haben unter anderem in drei Jahren die Schule digitalisiert und werden ab dem kommenden Schuljahr eine neue Stundentafel in der Mittelstufe umsetzen, mit der wir den Rahmen für mehr Begegnung, soziale Kompetenzen und Selbststeuerung setzen.

Neben der intensiven Schulentwicklung hat mir besonders gefallen, dass dort viele Kulturen, Sprachen und Lebensgeschichten zusammenkommen. Außerdem habe ich die Herzlichkeit, die Offenheit und das große Engagement der Schulgemeinschaft sehr geschätzt. Diese Mischung aus deutscher Schultradition und internationalem Umfeld fand ich sehr bereichernd.

8. Was wollen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln?

Ich möchte, dass Schülerinnen und Schüler verstehen, dass Schule nicht nur dazu da ist, Wissen zu vermitteln und Leistung zu messen. Wichtiger ist mir, dass jeder junge Mensch die Chance bekommt, seine Selbstwirksamkeit zu erfahren und selbstbewusst ins Leben zu gehen.

Dazu gehört auch, zu lernen, Frustration auszuhalten und Resilienz zu entwickeln. Nicht alles gelingt sofort, und nicht jeder Weg ist gerade. Aber man kann lernen, mit Schwierigkeiten umzugehen, dranzubleiben und daran zu wachsen.

Mir ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler nicht das Gefühl haben, das Leben passiere ihnen einfach. Sie sollen erfahren: Ich kann Entscheidungen treffen, ich kann Verantwortung übernehmen, ich kann meinen Weg mitgestalten. Das bedeutet nicht, dass immer alles leicht ist. Aber es bedeutet, die eigenen Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.

Und wie ich es bereits den Klassensprecherinnen und Klassensprechern an meinem Vorstellungstag gesagt habe: Dafür braucht es Selbstbewusstsein. Wer sich selbst nichts zutraut, dem fällt es auch schwer, in einer Gemeinschaft an etwas zu glauben, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Genau das halte ich heutzutage für besonders wichtig.

9. Wie wollen Sie zu mehr Austausch mit ausländischen Schulen beitragen?

Durch meine Arbeit an Deutschen Auslandsschulen weiß ich, wie wertvoll internationale Begegnungen sind. Ich habe erlebt, wie Schülerinnen und Schüler sich bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“, „Jugend debattiert“, bei Sportbegegnungen oder gemeinsamen Projekten mit anderen Deutschen Auslandsschulen vernetzen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, fremde Perspektiven kennenzulernen und wichtige Freundschaften zu knüpfen, die aus Erfahrung oft ein Leben lang halten.

Ganz konkret könnte ich mir vorstellen, mit der Deutschen Schule Lissabon an dem zweiwöchigen Austausch mit Deutschland teilzunehmen. Ich würde mich sehr freuen, wenn die nächsten Neuntklässlerinnen und Neuntklässler aus Lissabon für diese Zeit in Familien unserer Schulgemeinschaft aufgenommen werden könnten — und unsere Schülerinnen und Schüler im Gegenzug in der 10. Klasse zwei Wochen in Lissabon bei ihren Gastfamilien leben.

10. Worauf freuen Sie sich, wenn Sie hier arbeiten?

Ich freue mich darauf, die Schule, die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die Eltern kennenzulernen. Ich freue mich auf mein Leitungsteam und darauf, die Herausforderungen anzugehen. Und ich freue mich auf schöne Gespräche und einen konstruktiven Austausch.

Und dann bin ich natürlich sehr gespannt auf die Veranstaltungen und Talente unserer Schülerinnen und Schüler und freue mich sehr darauf, mit der Schulgemeinschaft die Schule weiterzuentwickeln und Momente zu schaffen, an die man sich gerne erinnert.

12. Was wollten Sie früher einmal werden?

Lehrerin wollte ich tatsächlich schon sehr früh werden. In der Grundschule sollten wir einmal ein Bild von unserem Traumberuf malen. Ich habe mich damals als Lehrerin mit einer Schulklasse auf Klassenfahrt gemalt. Dieser Beruf ist für mich ein großes Privileg. Man kann wunderbare und wichtige Momente mit vielen Menschen teilen — wie auf einer Klassenfahrt — und an den anderen Tagen dazu beitragen, dass sie Rahmenbedingungen vorfinden, die ihnen helfen, sich weiterzuentwickeln.

11. Welches Schulfach mochten Sie früher besonders und welches gar nicht?

Sprachen haben mich immer besonders interessiert. Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch, und über Sprache kommt man mit anderen Menschen in Verbindung. Sicher hat es mir auch geholfen, dass ich durch meine Familie schon früh mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen in Berührung gekommen bin.

Ein Schulfach, das ich grundsätzlich gar nicht mochte, gab es tatsächlich schon — aber welches das war, verrate ich lieber nicht. Als Schulleiterin habe ich später viele Stunden in genau diesem Fach hospitiert und war oft ganz begeistert. Vielleicht war ich damals einfach noch nicht reif genug, um seine Faszination zu erkennen.

12. Was wünschen Sie sich für die Schule?

Ich wünsche mir eine Schule, in der jede und jeder eine echte Chance bekommt. Eine Schule, die Talente erkennt, Stärken fördert und der es gelingt, junge Menschen mit den notwendigen Kompetenzen und einem guten Selbstvertrauen in die Zukunft zu entlassen.

Um das erreichen zu können, wünsche ich mir noch etwas: dass möglichst alle an einem Strang ziehen. Denn dort, wo man nicht gegeneinander arbeitet, sondern mit einem gemeinsamen Ziel, fließt die ganze Energie in das Richtige — und es können wunderbare Dinge entstehen, auf die man jetzt vielleicht noch gar nicht kommt.

13. Was sind Ihre drei Hauptziele für die nächsten zwei Jahre?

Im ersten Schritt möchte ich die Schule bestmöglich kennenlernen. Ich betrachte Schulen fast wie eine organische Einheit: Jeder Mensch, der Teil dieser Schule ist, verändert diesen Organismus ein wenig. Deshalb möchte ich zunächst genau verstehen, was diese Schule ausmacht, was sie braucht und wozu sie gerade mich braucht.

Ein wichtiger nächster Schritt wäre für mich, gemeinsam am Leitbild zu arbeiten. Das bestehende Leitbild ist, soweit ich gesehen habe, schon etwas älter und für mich noch nicht in allen Punkten griffig. Ich glaube, dass eine Schulgemeinschaft sich über die gemeinsame Arbeit an einem Leitbild sehr gut über ihre Werte, ihre Haltung und ihre Ziele verständigen kann. Dadurch entsteht nicht nur ein Text, sondern im besten Fall eine gemeinsame Vision. Wenn alle dann gemeinsam diese Vision verfolgen, kann die Schule ihr Potenzial bestmöglich entfalten.

Innerhalb dieser Vision ist mir besonders wichtig, gute Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Schülerinnen und Schüler die bestmöglichen Voraussetzungen finden, um sich entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten, Talenten und Kompetenzen weiterzuentwickeln — und das möglichst mit Freude. Aber das ist ein langfristiges Ziel, an dem man kontinuierlich arbeiten muss und das man sicher nicht in zwei Jahren erledigt hat.

14. Wie binden Sie Lehrkräfte, Eltern und Schüler in Entscheidungsprozesse ein?

Jedes Mitglied der Schulgemeinschaft hat eigene Perspektiven und Stärken. Diese für die Schule nutzbar zu machen, ist wichtig. Deshalb hatte ich an meiner bisherigen Schule monatliche Termine mit den jeweiligen Gremien, um ihre Perspektiven zu berücksichtigen und transparent über den Stand der Dinge zu informieren.

Nicht jede Entscheidung kann von allen gemeinsam getroffen werden, aber gute Entscheidungen brauchen unterschiedliche Perspektiven. Deshalb ist mir wichtig, dass Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten haben, ihre Sicht einzubringen und dort, wo es sinnvoll ist, auch in Arbeitsgruppen an Konzepten oder Projekten mitzuarbeiten.

15. Warum wollten Sie Schulleiterin werden?

Als ich aus Brasilien zurückkam, hat mich die Stellenausschreibung für die Leitung des Studienkollegs sehr interessiert. Damals brachte ich bereits Erfahrungen als Stellvertretende Schulleiterin mit, war aber trotzdem unsicher. Schulleiterin oder Schulleiter zu sein, erfordert nämlich eine Menge Mut, denn man trägt Verantwortung für alle Bereiche der Schule und für die Menschen, die dort lernen und arbeiten.

Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass mich damals ein sehr erfahrener Schulleiter ermutigt hat, mir diese Aufgabe zuzutrauen. In dieser Position habe ich die Möglichkeit, Schule als Ganzes mitzugestalten. Schulleitung ist eine sehr lebendige und intensive Aufgabe: Man ist täglich mit vielen unterschiedlichen Menschen, Themen und Situationen in Kontakt. Genau diese Vielfalt gefällt mir — und wenn eine positive Stimmung herrscht und man sieht, dass Entwicklungen gelingen, gibt mir diese Arbeit sehr viel zurück.

16. Was ist Ihr persönliches Highlight im Schulalltag?

Ein Highlight ist für mich, wenn man gemeinsam ein Problem lösen konnte oder einen kleinen oder großen Meilenstein erreicht hat. Das kann im eigenen Unterricht sein, im Gespräch mit einzelnen Personen oder größeren Gruppen, bei einem Termin oder auch mal beim Mittagessen.

Genauso schön finde ich aber auch die kleinen Momente im Alltag: wenn ich über den Schulhof gehe oder im Lehrerzimmer bin und spüre, dass Menschen zufrieden sind, sich wohlfühlen, einander unterstützen und Schule im Alltag einfach gelingt.



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